BIM, die SHK-Branche und das Smart Home: Digitalisierung neu gedacht

Die Digitalisierung im Bauwesen schreitet rasant voran. Ein zentrales Konzept in diesem Kontext ist Building Information Modeling, kurz BIM. Mittlerweile hat sich BIM von einer innovativen Methode zu einem unverzichtbaren Standard in der Baubranche entwickelt. Laut aktuellen Studien nutzen bereits rund 70 Prozent der großen Bauunternehmen in Europa BIM-Technologien.[1] Insbesondere seit der Einführung von BIM 4.0, das Technologien wie das Internet der Dinge (IoT), Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain integriert, können Effizienz, Nachhaltigkeit und Kosteneffektivität von Bauprojekten deutlich gesteigert werden. Doch was genau steckt hinter BIM, welche Chancen bietet BIM speziell für die SHK-Branche, und wie unterstützt das Smart Home diese Entwicklung? Diese Fragen kläre ich in diesem Blog-Beitrag.

Was ist BIM genau?

BIM („Building Information Modeling“) beschreibt eine digitale Methode zur Planung, Umsetzung und Verwaltung von Bauprojekten. Dabei arbeiten alle Beteiligten – vom Architekten über Ingenieure bis zu Haustechnikbetrieben – gemeinsam an einem zentralen, digitalen Gebäudemodell. Ändert sich ein Detail, zum Beispiel Raumaufteilung oder technische Ausstattung, sehen alle Beteiligten diese Änderung unmittelbar und können sofort darauf reagieren.

Stellen wir uns vor, bei der Planung eines Mehrfamilienhauses wird entschieden, die ursprünglich vorgesehenen Heizkörper durch eine intelligente Fußbodenheizung mit Smart-Home-Steuerung zu ersetzen. Durch den Einsatz von BIM erfolgt diese Änderung direkt im digitalen Gebäudemodell. Alle Beteiligten – vom Architekten über den Heizungsbauer bis hin zum Elektriker – sehen sofort die Auswirkungen auf die Raumgestaltung, benötigte Materialien, Verkabelung und Steuerungstechnik. Dadurch können Anpassungen wie Materialbestellungen, Zeitplanung und Kostenberechnungen unmittelbar vorgenommen werden. Fehlerquellen werden minimiert, und das Projekt bleibt effizient, nachhaltig und transparent.

Vorteile von BIM im Überblick

Der wesentliche Zweck von BIM besteht darin, dass Daten und Informationen über den gesamten Projektzeitraum – von der Planung, über den Bau bis hin zum Betrieb eines Gebäudes – alle Abläufe regeln und bestimmen. Die verbesserte Koordination zwischen den Gewerken beziehungsweise Bauabschnitten, bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Datenerhebung, Datenverarbeitung und die Steuerung von Prozessen mit diesen Daten führen zu:

  • kürzere Bauzeiten durch bessere Planung und Koordination,

  • geringere Kosten durch optimierte Prozesse und weniger Planungsfehler,

  • standardisierte Prozesse, was Qualität und Sicherheit erhöht,

  • bessere Planbarkeit aller Gewerke und Materialien.

KI und BIM: Ein starkes Duo

Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in die BIM-Technologie eröffnet weitere entscheidende Potenziale. KI-gestützte Systeme können große Mengen an Daten aus dem BIM-Modell analysieren und Muster erkennen, die für menschliche Akteure nur schwer sichtbar sind. So lassen sich Risiken frühzeitig identifizieren, Fehler minimieren und Bauprozesse weiter optimieren. Zudem unterstützt KI bei der vorausschauenden Wartung von Gebäuden, was zu längeren Lebenszyklen und höherer Nachhaltigkeit führt.

BIM und das Handwerk 4.0

BIM ist nicht nur eine technische Neuerung, sondern Teil eines umfassenden Wandels im Handwerk – Stichwort: Handwerk 4.0. Besonders die SHK-Branche, die aktuell mit Nachwuchssorgen zu kämpfen hat, kann von dieser Digitalisierung profitieren. Innovative, digital aufgestellte SHK-Betriebe gewinnen an Attraktivität und können Vorbilder für andere Unternehmen sein. Eine zentrale Rolle spielt dabei die digitale Kommunikation und Vernetzung aller Gewerke.

Was bedeutet BIM für die SHK-Branche?

Für SHK-Betriebe bedeutet BIM eine grundlegende Veränderung ihrer Arbeitsweise. Es reicht nicht aus, lediglich Software einzukaufen; Betriebe müssen ihre Prozesse umfassend digitalisieren, Mitarbeiter entsprechend schulen und vor allem sicherstellen, dass alle notwendigen Daten und Informationen jederzeit verfügbar sind. Von Lagerbeständen bis hin zur Wartungsplanung von Heizungen – alles sollte digital organisiert und abrufbar sein.

Auch im Bereich Wartung entstehen durch BIM neue Marktsegmente: Gebäude mit und ohne BIM-Anbindung benötigen unterschiedliche Dienstleistungen. Betriebe, die frühzeitig digitale Kompetenzen aufbauen, haben langfristig klare Wettbewerbsvorteile.

Smart Home als Türöffner für BIM

Ein entscheidender Impulsgeber für BIM ist das Smart Home. In intelligent vernetzten Gebäuden müssen schon heute unterschiedliche Gewerke und Geräte reibungslos miteinander kommunizieren. Betriebe, die Erfahrung mit Smart-Home-Projekten haben, profitieren davon auch beim Einstieg in BIM.

Smart Homes zeigen bereits heute, wie ein BIM-optimierter Betrieb aussehen kann: Vernetzte Haustechnik, intelligente Steuerungssysteme und Datenerfassung in Echtzeit sind hier Alltag. So entstehen konkrete Erfahrungswerte, die Betrieben beim Übergang zu BIM helfen.

Die Zukunft ist digital und vernetzt

Die Verbindung zwischen BIM und Smart Home wird künftig zur Normalität werden. Jedes neue Gebäude wird auf die eine oder andere Weise vernetzt sein – als Smart Home oder Smart Building. Durch diese umfassende Vernetzung liefern Gebäude wichtige Daten für das Energiemanagement, die Sicherheitstechnik oder die Wartung.

Gerade in der SHK-Branche entsteht dadurch ein digitales Fundament, das Monitoring, präventive Wartung und effizienten Betrieb von Gebäuden ermöglicht. BIM schafft somit die Grundlage für eine nachhaltige, sichere und ressourcenschonende Gebäudeverwaltung.

Insbesondere in Deutschland wird BIM künftig verstärkt Beachtung finden. Spätestens nach den jüngsten politischen Entwicklungen im Zusammenhang mit der letzten Bundestagswahl ist klar, dass reibungslos ablaufende Infrastrukturprojekte an Relevanz gewinnen werden. Für die SHK-Branche bedeutet dies, jetzt aktiv zu werden und BIM-Kompetenzen aufzubauen, um auch langfristig erfolgreich zu sein.


[1] https://www.baumeister.de/building-information-modeling-4-0-baubranche/

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