Ein Smart Home ist ein Ökosystem, in dem zahlreiche Komponenten miteinander und über das Internet miteinander verbunden sind und miteinander kommunizieren können. Vergleicht man die Entwicklung im Bereich Smart Home mit anderen Wirtschaftsbereichen, dann zeichnet sich schon heute ein Trend ab, der die gesamte Branche nachhaltig verändern wird. Denn besonders bei vernetzten Produkten ändern sich die Geschäftsmodelle der Unternehmen, die diese anbieten sehr schnell. Während in der Vergangenheit der Verkauf eines Produkts das zentrale unternehmerische Ziel war, ändert sich das derzeit. Das Motto für die Zukunft lautet: „Everything as a Service“ oder XaaS. Dieser Trend wird auch die Smart-Home-Branche transformieren.

XaaS – Die Zukunft eines Geschäftsmodells

Der Platzhalter „X“ in den X-as-a-Service-Geschäftsmodellen kann für enorm vieles stehen. Neben den bekannten Video-Streaming-Diensten wie Netflix & Co werden seit einiger Zeit vermehrt auch zahlreiche Software-Produkte sowie Cloud-Dienste als Service angeboten. Der Fokus des XaaS-Trends liegt eindeutig auf dem Technologie-Markt. Neben den bereits genannten gibt es hier unter anderem noch Modelle wie Infrastruktur-as-a-Service, Plattform-as-a-Service, Security-as-a-Service, Data-as-a-Service oder Hardware-as-a-Service.

Aber auch in anderen Bereichen finden sich immer häufiger Ableger. Angetrieben durch die gestiegene Nachfrage nach mehr Nachhaltigkeit gibt es beispielsweise inzwischen Mode- bzw. Kleidungs-Abos, aber auch Möbel, Kunst oder Büroräume lassen sich auf diese Weise nutzen. Die Nutzung eines Produkts oder einer Sache für einen begrenzten Zeitraum ist das wesentliche Kennzeichen dieser neuen Form von Geschäftsmodell.

Einer Studie der Technischen Universität München zufolge ist einer der maßgeblichen Treiber hinter diesem Trend die Ansprache einer jüngeren, technikaffinen Zielgruppe. Aber auch die Sicherung der eigenen Marktposition und die Erschließung neuer Kundengruppen sind zwei wichtige Ziele, die sich mit XaaS-Geschäftsmodellen erreichen lassen.

Smart Home as a Service

Auch im Bereich Smart Home zeichnet sich der Trend hin zu den As-a-Service-Geschäftsmodellen immer stärker ab. Der Anfang dieser Entwicklung konnte während der Corona-Pandemie beobachtet werden. Denn während Küchen im Smart Home zwar immer ausgefeilter werden und immer mehr Technik enthalten, wird doch immer weniger zu Hause gekocht. In diese Lücke treten beispielsweise neue Geschäftsmodelle, bei denen in festen Intervallen halb oder ganz fertig gekochte Gerichte nach Hause geliefert werden. Dort müssen sie nur noch warm gemacht oder in wenigen Schritten fertiggestellt werden. „Essen als Service“ gibt es von der Kochbox mit den Grundzutaten (wie HelloFresh oder Dinnerly) bis hin zum Mehrgänge-Menü gekocht werden (z.B. Dinnery).

Die Grundlage: Smart-Home-Technik als Schnittstelle

Das Smart Home bietet vor diesem Hintergrund eine geradezu ideale Grundlage, damit sich hier die As-a-Service-Geschäftsmodelle auch in Zukunft verstärkt durchsetzen. Denn immer mehr Geräte und Dinge in Gebäuden sind digital vernetzt und werden mit Displays ausgestattet. Sie erfüllen damit immer häufiger die Funktion, eine Schnittstelle zwischen Herstellern und Kunden zu sein. Ein weiteres Beispiel für diesen Trend sind vernetzte Küchengeräte wie der „Thermomix“, der inzwischen auch die Versorgung der Geräte mit Rezepten und Kochanleitungen sicherstellt.

Auch Beratungsleistungen wie die Erstellung von individuellen Essensplänen, die im Rahmen eines Gesundheits- oder Fitness-Programms integriert werden, gehören wie im Fall des Fitness-Geräte-Herstellers „Peloton“ zum Dienstleistungsumfang. Die benötigten Zutaten lassen sich automatisch zu Einkauflisten hinzufügen (z.B. bei LG und Samsung). Und auch die seit vielen Jahren angekündigte automatische Nachlieferung wird hier in Zukunft zur Normalität gehören: Diesen Service kündigte Samsung für die neuen smarten Kühlschränke an, die auf der CES 2021 vorgestellt wurden.

Sprachassistenten als Schnittstelle zu As-a-Service-Geschäftsmodellen

Die bisher genannten Beispiele zeigen allen voran eines: Die vernetzten Geräte dienen immer häufiger als Schnittstelle, über die Dienstleistungen und Services Eingang ins Smart Home finden können. Wenn es um Schnittstellen im Smart Home geht, dürfen die Sprachassistenten nicht außen vor gelassen werden. Denn die Vernetzung mit immer mehr Smart-Speakern und den Sprachassistenten eröffnet auch in diesem Zusammenhang weitere Möglichkeiten. Bislang dienen diese vor allem zum Medienkonsum. Alle Musik- und Video-Streaming-Dienste können hier entsprechend andocken und genutzt werden.

Doch sind damit die Möglichkeiten längst nicht ausgereizt. Insbesondere im After-Sales-Bereich und Kunden-Service lassen sich noch weitere Geschäftsmodelle finden, die über diese Schnittstelle verknüpft werden können. Durch die erweiterten Fähigkeiten der Sprachassistenten, die sich durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) ergeben, entstehen derzeit neue Perspektiven und damit Chancen für Unternehmen.

Smart-Home-Sicherheit as a Service

Sicherheit ist einer der zentralen Aspekte bei Gebäuden – sowohl, wenn es um Wohnhäuser geht, als auch bei Bürogebäuden oder industriellen Anlagen. Das Smart Home bietet eine Vielzahl von vernetzten Lösungen, die ein erhöhtes Maß an Sicherheit in Gebäuden aller Art herstellen können. Dabei gibt es einerseits automatisierte Lösungen wie die Anwesenheitssimulation. Andererseits gibt es passive Lösungen wie Sensoren, die einmalig verbaut werden und erst dann aktiv werden, wenn ein vordefinierter Fall eintritt: beispielsweise ein Wassersensor an der Waschmaschine, der dann ein Alarmsignal aussendet, wenn ein Wasserschaden durch austretendes Wasser droht.

Darüber hinaus sind aber auch Sicherheit-as-a-Service-Dienstleistungen denkbar. Zum einen sind hier Komplettlösungen möglich, bei der Sicherheit als Abo angeboten wird – alle Geräte und Komponenten werden von spezialisierten Unternehmen angebracht und regelmäßig überprüft. Auch bei auftretenden Schadensfällen wird so sofortige Hilfe rund um die Uhr garantiert: Wachdienste können sofort auf die Alarmsignale reagieren – selbst dann, wenn ansonsten niemand vor Ort ist.

Neue Geschäftsmodelle im Bereich Smart-Home-Wartung

Nicht zuletzt bieten die X-as-a-Service-Geschäftsmodelle eine neue Perspektive für die Haustechnikbranche. Denn diese ist einer der zentralen Ansprechpartner, wenn es um das Smart Home insgesamt geht. Gerade darum sollten Unternehmen aus diesem Bereich daran interessiert sein, die Chance zu nutzen, die Kunden langfristig zu binden. Dabei profitieren beide Seiten von diesem neuen Geschäftsmodell. Die Unternehmen durch ein zusätzliches Umsatzmodell und die verstärkte Kundenbindung. Und, weil die Betriebe sich Fachwissen sichern können. Die zunehmende Komplexität der Systeme sowie der Aufwand bei der Wartung und bei Software-Updates ist so bei ihnen in den besten Händen. Andererseits profitieren Kunden, weil es zu weniger Ausfällen der permanent überwachten Geräte wie etwa Heizungsanlagen kommt. Wenn Installateure regelmäßig die Betriebsdaten der vernetzten Anlagen auswerten können, fallen mögliche Fehler und Störungen bereits frühzeitig auf und können im besten Fall verhindert werden.

Fazit: Das Smart Home wird ein Treiber für neue Geschäftsmodelle

Ein wichtiger Katalysator für die hier beschriebene Entwicklung hin zu Xaas-Modellen ist sicherlich auch die Corona-Pandemie. Das Zuhause hat seither eine ganz neue und gestiegene Bedeutung erhalten, was mit gestiegenen Ansprüchen an Komfort und Sicherheit einhergeht. Gleichzeitig lässt sich der Trend hin zu mehr Service-basierten Geschäftsmodellen bereits seit längerem in der Technologie-Branche beobachten. Da auch das Smart Home ein stark Technologie-basiertes Ökosystem ist, bietet es sich in geradezu idealer Weise an, dass auch hier die neuen Geschäftsmodelle Anwendung finden. Noch steht die Entwicklung in diesem Bereich sicherlich erst am Anfang. Aber schon heute ist klar, dass sich damit zahlreiche Chancen verbinden und das Smart Home zum Treiber für neue Geschäftsmodelle wird. Diese gilt es darum frühzeitig zu erkennen und bestmöglich umzusetzen und zu nutzen.