Das Smart Home gibt es nicht. Genauso wenig wie es nur eine Form des Wohnens, Lebens oder Arbeitens gibt. Das Smart Home ist vielmehr ein Ideal oder ein Sammelbegriff, der all die unterschiedlichen Facetten zusammenfasst, die die digitale Vernetzung von Gebäudetechnik möglich macht. Auf ähnliche Weise ist die Smart City ein Entwicklungskonzept, das zeigt, wie mit den Mitteln der Digitalisierung das Leben in den Städten verändert, verbessert und lebenswerter gemacht werden kann. Was das Smart Home im Kleinen leistet, macht die Smart City im Großen. In vielerlei Hinsicht bietet uns darum das Smart Home aufschlussreiche Vergleichsmöglichkeiten. In diesem Blogartikel möchte ich die spannenden Antworten und Rückschlüsse erkunden, die das Smart Home auf die Smart City bietet.

Was ist eine Smart City?

Das Leben in Städten ist für uns zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Es ist so selbstverständlich, dass man kaum mehr die Frage stellt, was eine Stadt eigentlich zu einer Stadt macht. Diese ganz grundsätzliche Überlegung kommt aber unweigerlich auf, wenn man sich mit der Smart City beschäftigt – also der digital vernetzten Stadt. Denn diese ist sehr viel mehr als nur die Ansammlung von Häusern, Gebäuden und der dazugehörigen Infrastruktur. Wenn es um die Definition und die Gestaltung einer Smart City geht, müssen alle Lebensbereiche in Betracht gezogen werden. Unter anderem:

  • Energieerzeugung und -verteilung (Smart Grid)
  • Nachhaltigkeit
  • Mobilität
  • Gesundheit & Lebensqualität
  • Arbeit
  • Verwaltung
  • Steuerung der Infrastruktur
  • Wasser und Abwasser

Die digitale Informationstechnologie wird damit mehr und mehr zur zentralen Lebensader in der Stadt der Zukunft. In vielerlei Hinsicht kann darum das Smart Home bzw. das Smart Building als Nukleus für die moderne Quartier- und Stadtentwicklung betrachtet werden. Das wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Ziele wirft, die mit der digitalen Vernetzung von Häusern und Gebäuden erreicht werden können.

Was wir von der digitalen Vernetzung im Smart Home lernen können

Das Smart Home mit all seinen Eigenschaften und Vorzügen, die aus der digitalen Vernetzung entstehen, ist nicht nur für sich genommen ein spannendes Phänomen. Um zu verstehen und zu beurteilen, welche Rolle das Smart Home im Rahmen der Entwicklung der Smart City spielt, sollen hier kurz die Vorteile des Smart Home aufgezählt werden. Das Smart Home bzw. das Smart Building steht für:

Ziele der Stadtplanung und die Herausforderungen an die Stadt der Zukunft

Die moderne Stadtplanung ist extrem vielfältig und spannend. Sie beschäftigt sich mit allen Aspekten der Lebens- und Arbeitswelt der Zukunft. Dabei müssen unterschiedlichste Phänomene und Zusammenhänge Berücksichtigung finden. Die Auswirkung der Erderwärmung spielt hier ebenso eine Rolle wie die zukünftige gesellschaftliche und technologische Entwicklung sowie Fragen rund um die Zukunft der Arbeit und die Mobilität in den Städten. Bei der Schaffung einer lebenswerten Wohn- und Arbeitswelt gehören Nachhaltigkeit und Energieeffizienz längst zum Standard.

Angesichts der zunehmenden Urbanisierung ist die optimale Nutzung der Fläche ebenso ein wichtiges Anliegen wie die Schaffung einer vielfältigen Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Gastronomie und anderen Freizeitmöglichkeiten. Wenn dabei das Konzept der Smart City maßgeblich ist, steht vor allem die Digitalisierung und Schaffung von nachhaltigen Lebens- und Mobilitätskonzepten im Fokus. Die digitale Vernetzung aller Lebensbereiche kann dabei zu mehr Komfort, Sicherheit und Einfachheit beitragen. Aber auch die Flexibilisierung von Flächennutzungskonzepten wird so gefördert.

Smart City in der Praxis: Das innovative Quartier Heidestraße in Berlin

Wie das Konzept der Smart City in Wirklichkeit aussehen kann, lässt sich am Quartier Heidestraße in Berlin, auch als Europacity bekannt, beobachten. Nördlich des Hauptbahnhofes entsteht auf rund 85.000 Quadratmetern ein Vorzeigeprojekt der digitalen Quartiersentwicklung. Der Leitgedanke, der bei der Entwicklung eine maßgebliche Rolle spielte, war die Gestaltung eines lebenswerten Stadtviertels, in dem die unterschiedlichsten Lebensbereiche wie Leben, Arbeiten, Einkaufen, Gastronomie und Freizeit optimal miteinander verbunden sind.

Martin Steinfurth, technischer Leiter des Bereichs Digitalisierung, erklärt dazu: „wir wollen eine ganzheitliche und zentrale Lösung schaffen, die es ermöglicht, dass sämtliche smarte Komponenten gebäudeübergreifend miteinander kommunizieren können. Es geht sicherlich nicht darum, dass alle Wohnungen mit bloßer Smart-Home-Infrastruktur ausgestattet sind. Wesentlicher Punkt ist, dass die IT-Infrastruktur im Quartier derart miteinander verknüpft ist, dass sich daraus wiederum enorme Mehrwerte für die Mieter entwickeln können. Sie haben dadurch beispielsweise deutlich effizientere Gebäude, mehr Kontrollmöglichkeiten über die Nebenkosten und eine optimale Planung der Raumflächen.“[1]

Aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner des smarten Quartiers können miteinander und mit der vernetzten Infrastruktur kommunizieren und interagieren. Mittels einer Quartiers-App können sie sich über Angebote und Preise informieren, über die aktuelle Nutzung von bestimmten Flächen kommunizieren oder Termine bei einem der Läden in der Nachbarschaft vereinbaren. Das übergeordnete Ziel dabei ist, so viel Komfort im Quartier zu schaffen wie möglich. Damit wird das smarte Quartier zu einer nahtlosen Verlängerung des Smart Homes.

Das Smart Home als elementarer Bestandteil der Smart City

Dieses smarte Zusammenspiel von den unterschiedlichsten Lebensbereichen funktioniert nur, wenn die Verwendung digitaler Technik und die digitale Vernetzung im Smart Home bzw. Smart Building weiter voranschreitet. Die smarte Interaktion mit Gebäuden beispielsweise via App oder auch via Sprachsteuerung setzt immer die tiefe Integration von Technik wie Sensoren und Aktoren zum Beispiel zur intelligenten Steuerung von vernetzten Heizungssystemen voraus.

Die Technik im Smart Home muss dabei den Bedürfnissen von zwei sehr unterschiedlichen Adressaten gerecht werden. Einerseits den Nutzern von Gebäuden, andererseits den Betreibern. Während letztere vor allem auf verbesserte Effizienz, smartes Quartiersmanagement und Steuerungsmöglichkeiten sowie optimale Nutzung Wert legen, profitieren die Bewohner allen voran von der gesteigerten Lebensqualität und von digitalen Lösungen zur Bewältigung von Alltagsaufgaben.

Besonders mit dem Blick auf die Smart City wird aber noch etwas anderes deutlich. Bei der digitalen Vernetzung geht es um viel mehr als nur um technische Herausforderungen. Das Smart Home und die Smart City stellen uns vor die Frage: Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben?

 

[1] Quelle: https://www.kompetenzzentrum-planen-und-bauen.digital/kos/WNetz?art=News.show&id=852&pk_campaign=newsletter_1_2020-11-25&pk_kwd=Smart%2C+nachhaltig+und+menschzentriert%3A+Innovative+Quartiersentwicklung+am+Beispiel+des+Quartiers+Heidestrasse