Die Digitalisierung der Baubranche und des Gebäudemanagements nimmt immer konkretere und ausgereiftere Formen an. Eine der jüngsten, tiefgreifenden und zukunftsträchtigsten Entwicklungen in diesem Zusammenhang lautet Building Information Modeling, oder kurz: BIM. In diesem Blog-Beitrag beschäftige ich mich mit den drei zentralen Fragen: Was genau ist BIM? Was bedeutet BIM für die Haustechnikbranche? Und welchen Beitrag leistet das Smart Home?

Die „Bauwerksdatenmodellierung“, wie BIM übersetzt heißt, betrifft den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks und damit zahlreiche Branchen. Angefangen von der ersten Konzeptionierung und Planung über die Ausführung und den Bau bis hin zum Betrieb und Bewirtschaftung eines Gebäudes. Während all dieser Phasen werden Daten erhoben und die Steuerung aller Prozesse damit verbessert.

Mit BIM ist die Digitalisierung des gesamten Bausektors in Gang gesetzt worden. Alle Gewerke können und müssen zukünftig miteinander Daten austauschen. Nur so können alle Abläufe optimal ineinandergreifen. Besonders spannend finde ich an dieser Entwicklung die Frage, was das für das Smart Home bedeutet. Denn das Smart Home ist gewissermaßen ein Vorreiter dieser Bewegung. Ich bin davon überzeugt, dass das Smart Home durch BIM zum Standard werden wird und bei der Entwicklung eine wichtige Rolle einnehmen wird.

“Mit #BIM wird der gesamte Bausektor ins digitale Zeitalter katapultiert. Das #SmartHome war lange Zeit der Vorreiter dieser Entwicklung.“

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Was ist BIM und wie funktioniert es?

Kommen wir jedoch zunächst zu einer kurzen Definition von BIM. Beim Building Information Modeling handelt es sich um eine digitale Planungs- und Steuerungsmethode im Bauwesen. Davon sind zahlreiche Branchen und Berufsgruppen betroffen. Die Architektur, der Hoch- und Tiefbau, das Ingenieurswesen und nicht zuletzt auch die Haustechnikbranche. Anstatt wie früher verschiedene Programme und Systeme zu verwenden, arbeiten im Rahmen von BIM alle Projektbeteiligten an einer gemeinsamen Projektdatei, dem „Modell“. Ändert sich etwas an der Planung, sehen das sofort alle anderen und können ihre Planung entsprechend anpassen.

Nehmen wir als konkretes Beispiel ein Hochhausprojekt. Während der Planungsphase fällt auf, dass auf allen Stockwerken bislang Besucher-Toiletten vergessen wurden. Dadurch verändern sich die Grundrisse, die Kosten, die Anzahl der zu bestellenden Türen, Sanitär-Einrichtungen und vieles mehr. Anstatt die Änderung und deren Konsequenzen mit jedem einzelnen Verantwortlichen zu kommunizieren, werden die Änderungen einfach direkt im Modell vorgenommen. Alle Änderungen werden für alle Gewerke sofort transparent und diese können ihre Bestellungen und Bestände entsprechend prüfen und anpassen.

Diese Vorteile bringt BIM

Der wesentliche Zweck von BIM besteht darin, dass Daten und Informationen über den gesamten Projektzeitraum – von der Planung, über den Bau bis hin zum Betrieb eines Gebäudes – alle Abläufe regeln und bestimmen. Die verbesserte Koordination zwischen den Gewerken beziehungsweise Bauabschnitten, bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Datenerhebung, Datenverarbeitung und die Steuerung von Prozessen mit diesen Daten führen zu:

  • verkürzten Bauzeiten,
  • Standardisierung von Bestandteilen und Prozessen,
  • gesenkten Kosten und
  • besserer Planbarkeit.

BIM baut auf die Entwicklung zum Handwerk 4.0

Mit BIM wird auch eine Entwicklung angestoßen, die das Handwerk und dessen Zukunft in den Betrieben immer stärker bestimmen wird. Die Digitalisierung halte ich in diesem Zusammenhang für eine große Chance. Denn sie hilft einen Bereich aufzuwerten, der nach wie vor unter Nachwuchssorgen leidet. Damit diese Aufwertung stattfinden kann, braucht es innovative Betriebe, die sowohl Vorreiter als auch Vorbild für das Handwerk 4.0 sind.

Eine Neudefinition des Handwerks ist im Rahmen von BIM im Grunde eine Notwendigkeit. Denn nur mit einer entsprechenden Kommunikationskultur und –struktur ist eine Koordination zwischen den Gewerken optimal möglich. Hinzu kommen die technischen Neuerungen zum Austausch und Abgleich von Daten – vor, während und nach dem Bau.

Es besteht für alle akuter Handlungsbedarf

Daneben lässt sich feststellen, dass wir es hier mit einer sehr tiefgreifenden Entwicklung zu tun haben. Von BIM sind alle Beteiligten und alle Gewerke gleichermaßen betroffen. Es ist also ein struktureller Wandel von mehreren, miteinander verknüpften Branchen zu erwarten. In vielen anderen Ländern ist diese Entwicklung bereits sehr viel weiter fortgeschritten – eine Tatsache, die für den deutschen Markt hochrelevant ist. Denn immer mehr Projekte werden europaweit ausgeschrieben. Deutsche Betriebe müssen hier anschlussfähig bleiben, um in Zukunft nicht benachteiligt zu sein.

Was die SHK-Branche jetzt tun muss

Damit Betriebe in der SHK-Branche auch wirklich von den Vorteilen von BIM und der damit verknüpften Entwicklung profitieren können, müssen sie einige Voraussetzungen erfüllen. Allen voran muss in den Betrieben das entsprechende Fachwissen vorhanden sein. Nur wenn bekannt ist, welche Optionen und Möglichkeiten es überhaupt gibt, kann sinnvoll darüber entschieden werden, welche Digitalisierungsschritte beschritten werden sollen und was dazu nötig ist.

Gleichzeitig ist es wichtig, die technische Infrastruktur auf den aktuellen Stand zu bringen. Informationen müssen vom Projektbeginn bis zu dem Betrieb von Gebäuden fließen können. Dabei geht es auch um banale Informationen, wie z.B. Lagerbestände. Damit während der Ausführung alle Prozesse reibungslos ablaufen, muss im Vorfeld sichergestellt werden, dass beispielsweise ausreichend Material vorhanden ist. Für Betriebe bedeutet das, dass sie ihre internen Abläufe und Bestände digital erfassen und organisieren müssen.

“Die #SHK-Branche kann von #BIM enorm profitieren. Darum ist es heute wichtig, Fachwissen aufzubauen und die eigene Infrastruktur zu modernisieren.“

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Was BIM für die Branche bedeutet, zeigt sich auch am Beispiel Wartung. Wenn es um die Wartung von Heizungsanlagen geht, wird sich künftig der Markt aufteilen. Einerseits in Projekte, die bereits auf BIM setzen, und andererseits in solche, die noch herkömmlich betrieben werden. Betriebe müssen also digitales Know-how aufbauen, um weiterhin das gesamte Spektrum der Nachfrage bedienen zu können.

Das Smart Home als Wegweiser in die Zukunft

Damit die SHK-Branche von BIM profitieren kann, müssen alle Beteiligten sich so schnell wie möglich auf diese Entwicklung einstellen, indem beispielsweise das Personal entsprechend informiert und geschult wird. Ein wichtiger Wegweiser in die digitale Zukunft der Branche ist bereits das Smart Home. Betriebe, für die vernetzte Haustechnik bereits zum Alltag gehört, werden im Vorteil sein, wenn BIM flächendeckend Wirklichkeit wird.

Denn das Smart Home befördert die mit BIM verknüpfte Entwicklung. Auch bei der Konzeption und Umsetzung eines Smart Homes ist es essentiell, dass die verschiedenen Gewerke miteinander kommunizieren und kooperieren. Auch sie müssen sich auf ein System zur digitalen Vernetzung in einem Haus einigen und die bestmögliche Option wählen.

Die digitale Zukunft des Bauwesens

Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft jedes Gebäude in der ein oder anderen Form ein Smart Home beziehungsweise Smart Building sein wird. Gerade wenn es um den Betrieb, die Bewirtschaftung sowie die Wartung und den Erhalt von Gebäuden geht, bietet die digitale Vernetzung unschätzbare Vorteile. Das heißt: Bald muss ein vernetztes Heizsystem mit dem vernetzten Rollladen ebenso kommunizieren können wie mit dem Smart Grid.

Damit schafft die SHK-Branche das digitale Fundament für BIM nach der Baufertigstellung. Denn ein Smart Building liefert die notwendigen Daten, die für Monitoring und reibungslosen Betrieb des Gebäudes benötigt werden. Mit dieser Entwicklung legt BIM die Grundlagen für eine digitale und vernetzte Zukunft im Bauwesen und damit auch in der SHK-Branche.

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