Das Internet der Dinge im Smart Home

Total vernetzt

Das Internet der Dinge im Smart Home

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© winui @ Shutterstock

Wie viele Ihrer Geräte sind mit dem Internet verbunden? Zwei? Vielleicht drei? Wahrscheinlich besitzen Sie ein Smartphone, vielleicht auch ein Tablet und ein Notebook. Ach ja, eine Smartwatch und einen smarten Fernseher mit WLAN-Modul könnten Sie auch noch haben. Fehlt noch etwas?

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Tatsächlich gibt es inzwischen mehr Geräte mit einer Internetverbindung als wir es jemals für möglich gehalten haben. Kaffeemaschine, Kühlschrank, Toaster, Zahnbürste, Deckenleuchte, Musikanlage, Fernseher, Auto – die Liste der Dinge, die jetzt schon an das Internet angebunden sein können, geht noch ein ganzes Stück über diese Aufzählung hinaus. Die Zeiten, in denen bloß das Smartphone, Tablet und Notebook Internetzugang hatten, sind definitiv vorbei.

Aber Toaster und Co. sind nicht nur mit dem Web verbunden, sie können sogar untereinander kommunizieren, indem sie Signale senden und dann eine Handlung ausführen. Wenn ich in meinem Haus der Zukunft jede Kommunikationsverbindung als ein Seil darstellen würde, ich wäre wohl von so vielen Seilen umgeben, dass ich mich nicht mehr bewegen könnte. Es herrscht also ein ständiger Dialog – und ich bin nicht mal direkt involviert. Das ist die Zukunft, in der wir leben werden. Alles ist vernetzt.

Die Tatsache, dass Geräte eigenständig miteinander kommunizieren, ist dem Internet der Dinge zu verdanken. Es gehört zu den ganz großen Technik-Trends, wie wir auch bei der diesjährigen Computermesse CeBIT feststellen durften.

„Das Internet of Things (IoT) ist das Netzwerk von physischen Objekten, die eine Technologie integriert haben, um zu kommunizieren und Dinge zu erfassen oder mit ihren inneren Zuständen oder der äußeren Umgebung zu interagieren.“

Quelle: http://www.gartner.com/it-glossary/internet-of-things/

Aber wie funktioniert das eigentlich? Dass Geräte dazu fähig sind und eine Art Intelligenz besitzen können, wird durch Technologien wie RFID (radio-frequency identification) ermöglicht. Dahinter steckt ein sehr kleiner Transponder, der einen Code enthält und den ich nicht nur an alle möglichen Geräte anbringen kann. Ich könnte ihn mir sogar unter die Haut pflanzen. Das mag für einige surreal klingen – und das ist es vielleicht auch auf eine gewisse Weise –, allerdings ist das schon jetzt Realität. Auf der CeBIT hat die Firma Digiwell für Aufsehen gesorgt, weil sie Besuchern auf der Messe anbot, sich einen RFID-Chip zwischen Daumen und Zeigefinger implantieren zu lassen. Um genau zu sein, wurde er mit einer Nadel unter die Haut geschossen. Wer einen Erfahrungsbericht lesen möchte, wird zum Beispiel hier fündig.

Durch diesen Chip erhält alles eine eigene Identität und sorgt dafür, dass Geräte selbstständig untereinander kommunizieren können. Um bei den Personen zu bleiben, die einen Chip unter der Haut haben: Sie können damit beispielsweise die Haustür aufschließen, Kontaktdaten zum Herunterladen bereitstellen oder sogar damit bezahlen. RFID gilt dementsprechend als Grundlage für das Internet of Things.

Obwohl die beschriebenen Szenarien für den ein oder anderen schon sehr kurios und fortgeschritten klingen mögen, müssen wir uns bewusst sein: Noch stehen wir ganz am Anfang einer Entwicklung, die manche wegen der vollständigen Vernetzung auch als „Internet of Everything“ bezeichnen. Die Marktforscher von Gartner prognostizieren ein rasantes Wachstum. Demnach sollen bis 2020 rund 20 Milliarden vernetzte Geräte in Nutzung sein. 2015 war es gerade mal ein Viertel davon (4,9 Milliarden).

“Bis 2020 werden 20 Milliarden vernetzte Geräte genutzt, schätzt Gartner. #IoT #SmartHome“

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Das Internet der Dinge hat viele Vorteile

So wie es aussieht, kennt das Internet der Dinge keine Grenzen. Es gibt wohl keinen Anwendungsfall, den es nicht gibt – oder geben wird. Schließlich sind die Kombinationsmöglichkeiten sehr vielfältig: Das Bett kommuniziert mit dem Wecker, der Wecker mit der Kaffeemaschine, die Kaffeemaschine mit dem Kühlschrank, der Kühlschrank mit der Einkaufsliste auf dem Smartphone… Ich könnte die Liste jetzt noch eine Weile fortführen.

Interessant ist aber nicht nur, welche Spielereien es bei mir Zuhause gibt oder welchen sinnvollen Nutzen das Internet of Things hier hat, sondern auch, wo es generell in der Gesellschaft und Wirtschaft eine Rolle spielen wird. Einer Studie des McKinsey Global Institutes zufolge sind das folgende Bereiche:

  • Fabriken: Durch eine intelligente Vernetzung von Geräten kann die Produktivität in der Produktion und die Energieeffizienz gesteigert werden. In der so genannten Industrie 4.0 hat das IoT laut McKinsey das größte wirtschaftliche Potential.
  • Städte: Schon heute gibt es zahlreiche Zukunftsszenarien für eine „Smart City“, in der etwa der öffentliche Nahverkehr durch kluge Automatisierungen verbessert und die Umweltbelastung durch kontinuierliches Monitoring reduziert werden können.
  • Gesundheit: In diesem Bereich zeigen sich heute schon erste konkrete Anwendungsfelder. Dank Smartwatches und Fitnesstrackern sammeln viele Menschen Gesundheitsdaten, die teilweise von Krankenkassen, Ärzten und anderen Stellen ausgewertet werden und zu bestimmten Empfehlungen oder Behandlungen führen.
  • Fahrzeuge und Navigation: Die Überwachung von Verkehrsdaten, Verkehrsströmen und Fahrzeugdaten kann etwa für weniger Stau und mehr Sicherheit sorgen. Selbstfahrende Autos profitieren ebenfalls vom IoT.
  • Handel: Auch im Handel zeigen sich schon erste Auswirkungen durch das Internet der Dinge, etwa im Bereich Mobile Advertising oder bei automatischen Kassensystemen.
  • Smart Home: Ein natürlich sehr großer Bereich ist das Thema Smart Home. Das Internet der Dinge bietet für das vernetzte, intelligente Wohnen viele Optionen für mehr Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz.

Die Vorteile des Internet of Things liegen also auf der Hand: Die Automatisierung von Arbeit sorgt einerseits für (finanzielle) Entlastung sowie für mehr Genauigkeit und Kontinuität und andererseits für mehr Sicherheit und Effizienz – und das alles in denkbar vielen Bereichen des Lebens.

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So nutzen Hersteller das Internet of Things fürs Smart Home

Wenn ich mich nach vernetzten Geräten umschaue, dann finde ich sie natürlich zuerst im Smart-Home-Segment. Im Haus oder in der Wohnung hat das Internet der Dinge nämlich längst Einzug erhalten. Viele Zukunftsszenarien, von denen wir früher nur geträumt oder die wir in Science-Fiction-Filmen bestaunt haben, sind jetzt schon Realität geworden. Von Bosch über Samsung bis hin zu Google tüfteln viele Unternehmen mit Hochdruck an Geräten, die nicht uns Menschen, sondern den eigenen vier Wänden zu mehr Intelligenz verhelfen sollen.

“Dank des #IoT kann der Geschirrspüler mitdenken, der Vollautomat wird ferngesteuert. #SmartHome“

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Schauen wir uns doch mal Bosch genauer an: Das Unternehmen widmet sich intensiv dem Thema Internet of Things, beschäftigt dafür sogar tausende Mitarbeiter und arbeitet mit vielen Partnern zusammen – nicht nur für das Smart Home. Für das intelligente Wohnen hat das Traditionsunternehmen die Sparte „Home Connect“ ins Leben gerufen. Darunter fallen Haushaltsgeräte, die mit entsprechenden Sensoren ausgestattet sind und eine Vernetzung mit dem Smartphone ermöglichen.

Wenn ich etwa Lust auf einen Koffein-Kick habe, dann kann ich den Kaffeevollautomaten mithilfe einer App fernsteuern – übrigens genauso wie die Waschmaschine, den Backofen oder den Geschirrspüler. Neben der Bedienung von unterwegs zeigen mir die Geräte aber auch wichtige Informationen an, zum Beispiel, wenn im Geschirrspüler kein Klarspüler mehr enthalten ist oder das Geschirr ausgeräumt werden kann. Ein Blick in den Kühlschrank ist dank zweier integrierter Kameras ebenfalls mit dem Smartphone möglich, damit ich beispielsweise im Supermarkt nochmal überprüfen kann, ob noch Milch für mein Frühstück am nächsten Morgen vorrätig ist. Ich muss also für viele Dinge gar nicht mehr anwesend sein, um sie zu erledigen.

Leider räumen sich meine Wäsche und das Geschirr noch nicht automatisch aus meinem Trockner bzw. der Spülmaschine aus. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

Auch für Samsung ist das Internet of Things ein wichtiges Thema. Das Unternehmen hat bei der letzten CES, der Elektronikmesse in Las Vegas, ein Gerät präsentiert, das in den letzten Jahren als Paradebeispiel fürs vernetzte Wohnen fast schon überstrapaziert wurde: einen Kühlschrank. In der Tat bietet der Family Hub Kühlschrank genau das, wovon schon lange die Rede ist: Ein großes Touch-Display an der Kühlschrankfront zeigt dank Kameras im Innenraum, welche Lebensmittel sich darin befinden. Es ist zum Beispiel möglich, sie mit einem Haltbarkeitsdatum zu versehen oder direkt vom Touchscreen oder vom Smartphone aus fehlende Produkte nachzubestellen. Bequemer geht es kaum.

Auch bei einer anderen wichtigen Produktsparte von Samsung arbeiten die Koreaner an einer Vernetzung. Alle neuen 4K-Smart-TVs werden an Samsungs Smart-Home-Plattform SmartThings angeschlossen. Das bedeutet, dass der Fernseher künftig zur Schaltzentrale des Smart Homes werden wird. Darüber lassen sich dann alle weiteren vernetzten Geräte in der Wohnung bedienen – von der Heizung über Haushaltsgeräte bis zur Überwachungskamera, die das Bild auf den Fernseher überträgt und mir wieder mal einen Weg erspart.

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Natürlich lässt sich Google den Smart-Home-Trend ebenfalls nicht entgehen und hat Anfang 2014 das Unternehmen Nest Labs gekauft. Das bekannteste Gerät ist das Nest Raumthermostat, das – im Gegensatz zu vielen anderen als „intelligent“ bezeichneten Geräten – tatsächlich eigenständig handelt und stetig dazulernt. Als Nutzer kann ich mit dem runden Thermostat die Raumtemperatur eigenständig verändern, entweder durch ein Drehen am Gerät selbst oder per App am Smartphone.

Richtig interessant wird es aber erst, wenn das Nest Thermostat mit der Zeit die Gewohnheiten der Bewohner erlernt und sich auf die gewünschte Temperatur zu den jeweiligen Tageszeiten einstellt. Nest erkennt auch, wenn sich niemand mehr im Raum befindet und regelt die Temperatur dann runter. Das ist einerseits eine sehr bequeme Angelegenheit für mich, andererseits kann ich damit aber auch Geld sparen. Die Heizkosten-Ersparnis soll dadurch immerhin bis zu 20 Prozent betragen. Das kann sich sehen lassen.

Sicherheit – die Schwachstelle des Internet der Dinge

Ja, bei all der Technik gibt es wie immer keine hundertprozentige Sicherheit. Schreitet die Entwicklung des IoT wie prognostiziert fort und werden demnach viele Haushalte mit vielen verschiedenen vernetzten Geräten bestückt, so ist klar, dass an allen Ecken und Enden Daten gesammelt werden. Vermutlich werden durch das Internet der Dinge sogar so viele Daten gesammelt wie bisher noch nie.

Das muss erst mal nicht schlecht sein. Es kommt nämlich darauf an, was mit den Daten gemacht wird. Von Unternehmen erwarte ich deshalb, dass sie transparent damit umgehen, welche Daten sie erheben, wie lange sie gespeichert werden und wofür sie möglicherweise abseits der privaten Nutzung noch Verwendung finden.

“Das #IoT hat Sicherheitslücken, die das Eindringen in ein #SmartHome möglich machen können.“

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