Das Smart Home in Zeiten der demographischen Entwicklung
Altersgerechtes, sicheres und vor allem selbstbestimmtes Wohnen bietet nicht das Altenheim, sondern das Smart Home | © Andy Dean Photography @ Shutterstock.com

Das Smart Home in Zeiten der demographischen Entwicklung

Wenn wir von Smart Home und Home Automation sprechen, denken wir automatisch an die junge Generation, die “Digital Natives”, als Zielpublikum. Ich empfinde diese Assoziation als äußerst verkürzt und sie wird der Sache nicht gerecht. Das Smart Home leistet gerade für die ältere Generation Enormes. Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung sehe ich heute und in Zukunft einen riesigen Bedarf an digitalen Technologien und Innovationen im Bereich Smart Home.

Niemand wünscht sich, seinen Lebensabend in einem Heim zu verbringen. Der Traum, solange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben und sein Leben aktiv zu gestalten, wird durch das Smart Home Wirklichkeit. Eine Wohnung oder ein Haus, das intelligent vernetzt ist, denkt und handelt für mich mit. So kann ich mir im Alter so lange wie möglich meine Selbständigkeit bewahren und sie sogar fördern.

Was bedeutet es, wenn im Jahr 2050 2,5 Milliarden Menschen über 60 Jahre alt sind?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert für das Jahr 2050, dass 2,5 Milliarden Menschen der Weltbevölkerung über 60 Jahre alt sein werden. Ich finde, das sind hervorragende Nachrichten. Sie bedeuten, dass die Fortschritte in der Medizin, der Hygiene und der gesunden Lebensführung es ermöglichen, ein sehr hohes Alter zu erreichen. Bedenklich hingegen ist, dass immer weniger Menschen geboren werden.

“Das #SmartHome kann einer immer älter werdenden Bevölkerung helfen.“

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Deutschland belegt mit der niedrigsten Geburtenrate weltweit inzwischen sogar den letzten Platz. Mir scheint, dass die weitreichenden Konsequenzen davon, noch nicht im Bewusstsein aller Menschen angekommen sind. Wir werden unter einem massiven Arbeitskräftemangel leiden, der auch durch Zuwanderung kaum abgefedert werden kann. Sprich: Auch der Bereich Pflege, der schon heute kaum genug Nachwuchs findet, wird stark unterversorgt sein. Ich bin davon überzeugt, dass das Smart Home eine der Lösungen für dieses Problem sein wird.

Das leistet das Smart Home im Alter: Förderung, Mobilisierung und Unterstützung

Wenn ich mir ein Leben im Alter in einem Smart Home vorstelle, geht es mir nicht darum, dass ich darin automatisch versorgt werde. Ein Smart Home ist so individuell wie seine Bewohner. Es lässt sich genau auf die Bedürfnisse zuschneiden, die erforderlich sind. Mein Ziel in einem altersgerechten Smart Home ist es, dass ich darin so lange wie möglich selbstbestimmt und autonom leben kann. Das erreiche ich nicht, indem ich alle Fähigkeiten, die ich selbst noch besitze mit Technologie ersetze. Meine Selbständigkeit bewahre ich vielmehr dadurch, indem ich gesunde Anteile fördere und mobilisiere. Für Bereiche wiederum, in denen ich Unterstützung brauche, suche ich nach geeigneten Lösungen.

Lässt etwa mein Hörsinn nach und ich habe Schwierigkeiten das Läuten des Telefons oder an der Türe zu hören, dann erweitere ich meine Sinne digital: Das Start-up Astro entwickelte beispielsweise Glühbirnen, die Lautsprecher integriert haben. In einer mit solchen Leucht-Lautsprecher-Mitteln ausgestattete Wohnung können an jedem beliebigen Ort Geräusche wie das Klingeln an der Tür oder das Signal des Rauchmelders per WLAN hin übertragen werden. Das Erweitern und Verbessern meiner eigenen Sinne, könnte dann ein Baustein in einer speziell auf meine Bedürfnisse zugeschnittenen, vernetzten Wohnung sein.

“Human Enhancement” und “Augmented Reality” im Smart Home

Technologien aus den Bereichen “Human Enhancement” und “Augmented Reality” “verbessern” oder “erweitern” die Wirklichkeit mit digitalen Methoden. Eine Form der Erweiterung stellt zum Beispiel die vergrößerte Darstellung dar: Anstatt einem Türspion oder einem kleinen Schwarz-Weiß-Bildschirm an der Gegensprechanlage, stelle ich mir in einem Smart Home vor, dass das Bild von der Türkamera direkt auf dem vernetzten TV-Gerät angezeigt wird. Das macht ein Smart Home für ältere Menschen, die vermehrt Opfer von Trickbetrügern an der Tür wird, sicherer. Mit einem auf diese Art vergrößerten Bild erkenne ich in jedem Fall, ob ich die Person kenne und ob sie die ist, für die sie sich ausgibt. Den technischen Möglichkeiten sind hier kaum Grenzen gesetzt. Stimmerkennungs-Algorithmen helfen mir, am Telefon sicher zu sein, dass am anderen Ende auch wirklich meine Enkel oder meine Nichte spricht.

Das Smart Home fördert meine Achtsamkeit und kompensiert Unachtsamkeiten

Im hohen Alter werden Stürze wahrscheinlicher. Wenn ich nicht das Glück habe, in einem barrierefreien Haus zu leben, helfen mir Lichter, die automatisch angehen, wenn ich in ihre Nähe komme, auf meine Umgebung zu achten. LED-Streifen zur Beleuchtung von Stufen werden immer dünner, so dass sie fast überall angebracht werden können. Beleuchtete Stolperfallen sind keine mehr.

“Altersgerechtes & selbstbestimmtes Wohnen bietet nicht das Altenheim, sondern das #SmartHome.“

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In anderen Situationen sind es kleine Unachtsamkeiten, die große Auswirkungen haben und sogar lebensbedrohlich sein können. Im Alter wird man vergesslicher und achtet nicht immer darauf, ob die Herdplatte schon abgedreht ist. Auch aufgelassene Wasserhähne, vergessene offen stehende Türen oder Fenster stellen im Alter Risiken dar. Gerade solche Situationen sind für viele der Auslöser, auf ihre Eigenständigkeit im Alter zu verzichten und in eine sicherere Umgebung zu ziehen. Diesen Schritt kann ich mir ersparen oder zumindest nach hinten verschieben, wenn mein eigenes Zuhause so sicher ist, dass ich erst gar nicht in solch gefährliche Situationen gerate. Das Smart Home ist eben dieses sichere Zuhause, das mir bis ins hohe Alter alles bietet, was ich brauche.