Smart Home: Wie die Digitalisierung die Haustechnik-Branche verändert
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Smart Home: Wie die Digitalisierung die Haustechnik-Branche verändert

Was hat der neue Internet Protokoll Standard IPv6 mit Haustechnik zu tun? Eine ganze Menge: Die Anzahl der über das Internet miteinander vernetzbaren Geräte war lange Zeit durch eine technische Hürde begrenzt – die IP Adressen.

Jedem Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, wird eine IP-Adresse zugeordnet, die im Prinzip wie Postadressen funktionieren. Auch letztere dienen dazu, dass bei Kommunikation per Brief oder Paket, immer die richtige Information beim richtigen Empfänger ankommt. Im Internet ist das nicht anders. Auch dort werden die Daten zu Paketen verknüpft, die an IP-Adressen geschickt werden, die sie angefordert haben. Die IP-Adressen identifizieren den Empfänger unter Millionen von anderen Nutzern.

Als in den vergangenen Jahren immer mehr Geräte mit dem Internet verbunden werden konnten, war absehbar, dass mit dem bislang gängigen Standard, ein Ende der Vernetzungsmöglichkeiten absehbar ist. Durch die Entwicklung des neuen IPv6-Standards wird die Anzahl der möglichen IP-Adressen um ein Vielfaches erweitert, so dass für eine sehr lange Zeit kein Ende der Vernetzung in Sicht ist. Damit sind wir mitten im Thema Smart Home. Denn die Vernetzung aller Geräte miteinander, man spricht auch vom Internet der Dinge, ist die Grundvoraussetzung für das Intelligente Wohnen.

Was bedeutet Smart Home?

Seit einigen Jahren werden verschiedene Entwicklungen unter dem Begriff Smart Home zusammengefasst. Automatisierung, Vernetzung aller Geräte, Überwachung der Funktionen mit Sensortechnik, Messtechnik und Sicherheitssysteme. Alle haben sie gemeinsam, dass sie an der Idee des Intelligenten Wohnens ausgerichtet sind. Der Aufenthalt in modernen Häusern und Wohnungen sowie Heimen wird dadurch immer angenehmer, sicherer und nachhaltig gestaltet. Versteckt angebrachte Sensoren registrieren, wann ein Raum betreten wird und je nach Uhrzeit wird automatisch das Licht an- oder ausgeschaltet. In gewisser Hinsicht wird eine Wohnung bzw. ein Haus dadurch mit einem eigenen Wahrnehmungssinn ausgestattet. Über diesen kann der Aufenthaltsort der Bewohner registriert, auf ihr Verhalten und ihre Bedürfnisse sowie auf äußere Einflüsse wie das Wetter oder Tages- und Jahreszeiten ganz automatisch reagiert werden. Der Nutzen dieser technologischen Neuerungen ist ebenso vielfältig und reicht von mehr Komfort, über Energieeinsparung bis hin zu mehr Sicherheit. Einiges gibt es bereits: Intelligente Heizungen lernen die Gewohnheiten der Bewohner kennen, heizen entsprechend und sparen damit Kosten ein. Laut der jüngsten Bitkom-Studie nutzen etwa 10 Millionen Menschen in Deutschland schon in der ein oder anderen Form eine Smart-Home-Anwendung.

Einheitliche Standards

Vieles von dem, was unter dem Namen Smart Home zurzeit bereits realisierbar ist, kommt noch nicht aus einer Hand. Gebäudeplaner beauftragen auf je einen Bereich  spezialisierte Betriebe. Viele verschiedene Hersteller arbeiten an Einzellösungen ohne einheitliche Standards. Die Idee von der Vernetzung und Verschaltung von allen technischen Einheiten eines Hauses funktioniert nur, wenn alle Einzelkomponenten auch tatsächlich miteinander kommunizieren können. Der Heizkessel im Keller ist ebenso ein Teil des gesamten Netzwerkes, wie der Kühlschrank, das Solarpanel auf dem Dach, die Wärmesensoren in der Wand und die automatisierten Jalousien. Wenn jedoch eine Komponente über WLAN oder Bluetooth, die andere über Funk in unterschiedlichen Frequenzen, die dritte via Stromleitung oder via Datenkabel vernetzt wird, erschwert dies die Kommunikation insgesamt. Es genügt, wenn ein zentraler Bestandteil keine passende Schnittstelle aufweist, um das Funktionieren des ganzen Systems infrage zu stellen. Kontrolle über Jalousien, Solarpanel und Heizkessel bringt wenig ohne die Sensoren, die in den Wänden die Temperaturschwankungen und die  Sonneneinstrahlung aufzeichnen und übermitteln.

Kooperation statt Konkurrenz

Wenn über Digitalisierung und das Smart Home gesprochen wird, liegt der Gedanke nahe, dass hier eine Konkurrenz zum traditionellen Gewerk der Haus- und Installationstechnik entsteht. Doch das Gegenteil ist eher der Fall. Die Digitalisierung in der Haustechnik bedeutet eine umfassende, intelligente Vernetzung von allen Bestandteilen, die die Gesamtheit der Technik in einem Haus ausmacht. Zusätzlich zur Vernetzung kommen in Zukunft Sensoren zum Einsatz, die in der Konsequenz das Leben in einem Haus leichter und effizienter machen. Messfühler in Wänden stellen fest, wenn die Außentemperatur fällt oder der Wärmeverlust steigt. Automatisch kann sich die Heizung einschalten, so dass eine konstante Temperatur im Inneren des Gebäudes gehalten wird. Sensoren, die an den Wasserzählern installiert sind, geben Aufschluss über den Verbrauch und können einen übermäßigen Wasserdurchlauf, der auf einen Rohrbruch hindeutet, erkennen und die Abriegelung der Wasserzufuhr veranlassen.

Digitalisierung bedeutet also nicht, dass ein neues Anwendungsgebiet das Alte bedroht. Vielmehr stehen durch die neuen technischen Möglichkeiten sinnvolle Erweiterungen und Ergänzungen bereit, die eine Bereicherung darstellen. Diese erfordern neue Kenntnisse und eine Integration von neuen Technologien und Fertigkeiten in den Arbeitsalltag.

Die nächsten Schritte bei der Vernetzung

Die Entwicklung des Smart Home steht noch am Anfang, auch wenn es schon viele Einzellösungen gibt. Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. sieht das Potential für einen deutschen Markt bei jährlich 19 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025. Handlungsbedarf gibt es noch an vielen Stellen. Angefangen von Fortbildungen bei den Installateuren, Technikern und Lieferanten – nur wenn hier das entsprechende Wissen bei der Beratung und der Installation vorhanden ist, können alle Komponenten zusammenspielen. Ebenso unerlässlich ist die Entwicklung von einheitlichen Standards. Leichte Anwendungen für die Haus- und Wohnungsbewohner fehlen noch zum großen Teil, damit diese in Zukunft vollen Zugriff auf die Funktionen ihrer Haustechnik via Smartphone auch von unterwegs aus haben. Schließlich bedarf es noch eines infrastrukturellen Aufbaus bei Unternehmern, Architekten, Zulieferern und Herstellern, damit Service und Dienstleistungen ebenfalls von der Vernetzung der smarten Geräte profitieren. Wenn Haustechnikgeräte wie Heizungen über Sensoren überwacht werden, können schon im Vorfeld, noch bevor es zu einem Defekt kommt, Fehler diagnostiziert und behoben werden.

Fortschritt und das bessere Leben

Forschung, technologische Entwicklung und Modernisierung unserer Lebensverhältnisse stehen seit langem in engem Verbund. Elektrisches Licht, Telefon, Heizung und sanitäre Anlagen in jedem Haus und in jeder Wohnung markierten vor mehr als hundert Jahren einen Quantensprung im Wohnerlebnis. Geschirrspüler, Wäschetrockner, Mikrowelle und neue Werkstoffe zur Isolierung steigerten die Lebensqualität in der zweiten Jahrhunderthälfte des 20. Jahrhunderts enorm. Das Smart Home ist der nächste Entwicklungsschritt bei der Verbesserung unserer Lebensverhältnisse im 21. Jahrhundert. Die Technologien aus dem Computer- und Elektronikbereich sind inzwischen so universell einsetzbar und in der Produktion so günstig geworden, dass der Einsatzort in der Gebäudetechnik und Wohnumfeld der nächste konsequente, evolutionäre Schritt in einem größeren Ganzen ist. Die neuen Technologien, die der Digitalisierung zu verdanken sind, werden dabei helfen, die Herausforderungen der Demographie zu meistern. Intelligente Assistenz- und Fernsteuersysteme können dazu eingesetzt werden, kranke und ältere Menschen besser zu versorgen. 62 % der Befragten der Bitkom-Studie können sich dies als Anwendungsgebiet von Smart-Home-Lösungen vorstellen.

Das Geschenk der Technik ist Zeit

Seit der Erfindung von Kühlschrank und Waschmaschine macht sich heute keiner mehr Gedanken darüber, wie Lebensmittel am besten haltbar gemacht werden können oder erinnert sich daran, dass Wäsche waschen früher mehrere Tage schwere körperliche Arbeit bedeutet hat. Seit es Strom in unseren Häusern gibt, setzen Tag und Nacht nicht mehr die natürlichen Grenzen, wann wir wach sind, arbeiten oder unseren Hobbys nachgehen. Alle technischen Neuerungen verschaffen uns mehr Freiheit und mehr Zeit. Wertvolle Lebenszeit, die wir mit sinnvollen und kreativen Tätigkeiten verbringen können, in der wir aber auch schnell vergessen, woher diese Zeit kommt: durch die Fortschritte in der Technologie. Die Digitalisierung der Haustechnik wird uns ebenfalls sehr viele Dinge abnehmen, über die wir in Zukunft nicht mehr nachdenken oder uns darum kümmern müssen. Auch das belegt die von Bitkom durchgeführte Studie: 78 % derjenigen, die bereits Smart-Home-Anwendungen in Betrieb haben, möchten diese in Zukunft nicht mehr missen und halten sie sogar für „unverzichtbar“. Das Smart Home wird das Leben leichter machen und den Menschen mehr Zeit verschaffen für die wirklich wichtigen Dinge.